Philodendron aus Samen ziehen
von Claudia Matussek
Große, tief geschlitzte Blätter, ein kräftiger Stamm und das Gefühl, ein Stück Tropenwald im Wohnzimmer zu haben: genau das macht den Philodendron so besonders. Was viele jedoch nicht wissen: Diese imposante Pflanze lässt sich tatsächlich aus winzigen Samen heranziehen. Wer sich auf dieses kleine Pflanzenabenteuer einlässt, begleitet die Entwicklung vom unscheinbaren Keimling bis zum beeindruckenden Baumfreund. In diesem Beitrag zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du deinen eigenen Philodendron aus Samen ziehst und warum sich ein wenig Geduld dabei besonders auszahlt.
Inhalt
- Philodendron Samen bekommen
- Vorbehandlung der Philodendron Samen
- Das richtige Aussaat Substrat
- Philo Keimklima
- Erste Keimlinge
- Nach der Keimung
- Natur vs. Wohnzimmer – so gelingt die Pflege
- Zusammenfassung
- FAQ
Steckbrief: Philodendron bipinnatifidum
Der stammbildende Baumfreund aus Südamerika 🌿
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Keimdauer: 2–6 Wochen
Wachstum: langsam, aber stetig
Lichtkeimer
Namensbedeutung: „bipinnatifidum“ = doppelt tief gelappt, beschreibt die stark fiederartig eingeschnittene Blattform
Welche Philodendron Art aus Samen ziehen?
Den Begriff Baumfreund kennst du bestimmt. Unter diesem Namen laufen im Handel viele Philodendronarten – und die Vielfalt dieser Gattung ist wirklich beeindruckend. Es gibt kletternde, kriechende, hängende und buschig aufrecht wachsende Vertreter, Pflanzen mit samtigen oder glänzenden einfarbigen oder mehrfarbigen (panaschierten) Blättern, mit grünen, gemusterten oder sogar gestreiften Stielen. Für jeden Pflanzencharakter gibt es einen passenden Philodendron.
Während viele Philodendren ihr Leben damit verbringen, geschützt am Waldboden zu kriechen oder sich an Bäumen emporzuwinden – also eine nützliche Freundschaft mit ihnen einzugehen –, schlägt der Philodendron bipinnatifidum einen ganz eigenen Weg ein: Mit den Jahren bildet er einen kräftigen, verholzenden Stamm aus und entwickelt eine ausladende Blattkrone. Er ist somit selbsttragend und kommt ganz ohne Kletterhilfe zurecht. Seine Luftwurzeln braucht er dann weniger zum Festhalten. Philodendron bipinnatifidum ist also kein klassischer Baumfreund, sondern der Baum selbst. Und genau das macht ihn zu einem – unserer Meinung nach - absolut liebenswerten und spannenden Sonderling unter den Aronstabgewächsen – einem, der schon seit Jahrhunderten bekannt ist und trotzdem in vielen Sammlungen völlig zu Unrecht fehlt. Schauen wir uns an, wie du die Pflanze aus Samen ziehst und so zu deiner Sammlung ergänzen kannst.
Wie wäre es heute mal mit einem pflanzlichen Party-Gag? Versuch doch einfach, dreimal hintereinander so schnell du kannst zu sagen:
Philodendron bipinnatifidum.
Philodendron bi-pinna-tifi-dum.
Philodendron bipinna- tifi- dum.
Philodendron bipinnatifidum.
Na? Wer musste einen Strafshot nehmen? Keine Sorge – du darfst ihn auch ganz entspannt Philodendron Selloum oder Baumphilodendron nennen.
Philodendron Samen bekommen
Die größte Herausforderung ist nicht die Pflege, sondern das Saatgut selbst. In der Natur ist der Baumphilodendron auf bestimmte Käfer als Bestäuber angewiesen. Entsprechend selten entstehen Samen, und noch seltener gelangen sie in den Umlauf.
Wenn du welche bekommst, gilt deshalb vor allem eines: Ab in den Topf damit. Die Samen sind erstaunlich klein, hell, aber leider auch kurzlebig. Je frischer sie sind, desto besser stehen deine Chancen, deinen eigenen Philodendron bipinnatifidum auf Samen selbst zu ziehen.
Vorbehandlung der Philodendron Samen
Die gute Nachricht zuerst: Du musst die Samen weder anritzen, noch schocken oder anderweitig behandeln. Eine einfache Vorbehandlung von frischen Samen kannst du dennoch vornehmen. Wenn du sie vor der Aussaat für etwa 12 bis 24 Stunden in lauwarmem Wasser einweichst, hilfst du der Samenschale dabei, Wasser aufzunehmen. Allzu gravierend waren unsere Versuchsunterschiede dabei allerdings nicht.
Das richtige Aussaat Substrat wählen
Für die Keimung gilt beim Baumphilodendron das bekannte Prinzip: weniger Nährstoffe, mehr Luft. Bewährt hat sich eine Substratmischung aus zwei Teilen Kokosfaser oder Aussaaterde und einem Teil Perlit oder feinem Sand. Das Substrat sollte locker sein, gleichmäßig feucht und niemals nass sein.
Wichtig zu wissen: Die Samen von Philodendron bipinnatifidum gehören zu den Lichtkeimern. Sie möchten also nicht tief vergraben werden. Ein sanftes Andrücken reicht völlig aus. Maximal eine hauchdünne Schicht Substrat darüber verhindert, dass die Samen zu schnell austrocknen.
Keimklima für Philos
Nach der Aussaat befeuchtest du das Substrat am besten mit einer Sprühflasche, um die winzigen Samen nicht unter die Erde zu spülen. Eine durchsichtige Haube oder Folie sorgt für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, sollte aber regelmäßig zum Lüften abgenommen werden.
Ideal sind Temperaturen zwischen 22 und 28 °C, ein heller Standort ohne direkte Sonne und eine gleichmäßig hohe Luftfeuchte. Unter diesen Bedingungen zeigen sich die ersten Keimlinge meist nach etwa zwei bis sechs Wochen. Bei Temperaturen unter 21 °C erhielten wir zwar auch ein paar Pflänzchen, aber wesentlich später und langsamer wachsend.
Erste Keimlinge
Die ersten Blätter sehen eher unspektakulär aus, rundlich und überhaupt nicht exotisch anmutend wie man es erwarten würde. Keine Sorge, das soll so sein, denn die Wurzelbildung ist für den Philodendron bipinnatifidum zunächst viel wichtiger. In dieser Phase solltest du unbedingt auf Dünger verzichten, denn dieser kann die Wurzeln verbrennen. Das Substrat musst du gleichmäßig feucht halten und für viel Licht ohne direkte Sonne sorgen.
Sobald die Pflänzchen mehrere echte Blätter gebildet haben und etwa fünf bis acht Zentimeter groß sind, dürfen sie in eigene Töpfe umziehen.
Nach der Keimung
Ab jetzt, wo dein Keimling deutlich kräftiger ist, darf das Substrat langsam etwas nährstoffreicher werden, bleibt aber weiterhin gut drainiert. Die berühmten tief geschlitzten Blätter lassen meist auf sich warten – manchmal erst nach Monaten. Und genau das macht den Reiz dieser Anzucht aus: Man begleitet eine spannende Entwicklung, nicht nur Wachstum.
Natur vs. Wohnzimmer: Pflege der Keimlinge
Schaut man sich den Naturstandort vom Philodendron bipinnatifidum an, wird schnell klar, warum er in der Pflege oft als unkompliziert gilt. In Südamerika kennt er ganzjährig Temperaturen über 18 °C, gelegentliche kräftige tropische Regengüsse, eine hohe Luftfeuchtigkeit ohne dauerhaft nasse Böden, sowie einen Wechsel aus Sonne und Halbschatten.
Das Schöne daran: Der Baumphilodendron ist erstaunlich tolerant. Seine großen, ledrigen Blätter und der kräftige Stamm machen ihn deutlich robuster als viele seiner filigranen Verwandten. Realistisch zufrieden ist er bereits mit Temperaturen zwischen 18 und 30 °C, einer Luftfeuchtigkeit von etwa 50 bis 70 Prozent, einem hellen Standort ohne pralle Mittagssonne und einem lockeren, gut durchlässigen Substrat für Aronstabgewächse, so wie du es vielleicht von der Monstera kennst. Was er dagegen überhaupt nicht mag, sind nasse Füße. Staunässe verhinderst du am besten mit einem grundlegenden Mix aus Kokoschips, Pinienrinde, Perlite und etwas Wurmkompost in einem Topf mit Abzugslöchern.
Und noch etwas solltest du wissen: Philodendron bipinnatifidum wächst viel langsamer als viele seiner Verwandten. Er ist also ein Begleiter zum Zusammen alt werden. Umso schöner finden wir also, dass man ihn wirklich vom winzigen Samen bis zum Tropenbaum bei sich aufziehen kann.
Zusammenfassung
- Frische Samen beschaffen und möglichst zeitnah aussäen
- Optional: Samen 12–24 Stunden in lauwarmem Wasser einweichen
- In lockeres, luftiges und nährstoffarmes Substrat aussäen
- Samen nur leicht andrücken (Lichtkeimer)
- Warm, hell und gleichmäßig feucht halten
- Keimung nach etwa 2–6 Wochen
- Pikieren bei 5–8 cm Wuchshöhe und mehreren echten Blättern
- Langsam an nährstoffreicheres Substrat und mehr Licht gewöhnen
FAQ
Braucht der Philodendron bipinnatifidum eine Rankhilfe oder Stütze?
Nein. Der Baumphilodendron ist selbsttragend und bildet mit der Zeit einen kräftigen Stamm. Er möchte nicht klettern. Mehr Platz nach oben und je nach Wuchsform bei dir zu Hause eine Stütze schadet ihm natürlich nicht, aber eine Rankhilfe braucht er nicht.
Kann ich das Wachstum beschleunigen, zum Beispiel durch mehr Dünger oder Wärme?
Kurz gesagt: nicht wirklich. Der Philodendron bipinnatifidum wächst von Natur aus langsam.
Ist die Anzucht aus Samen sinnvoll oder eher etwas für Profis?
Die Samenanzucht ist kein Hexenwerk, aber auch kein Schnellprojekt. Sie eignet sich besonders für geduldige Pflanzenliebhaber:innen, die Freude am Beobachten haben. Wer schneller zu einer größeren Pflanze kommen möchte, ist mit Stecklingen oder Abmoosen besser beraten.
Wann zeigen sich die typischen tief geschlitzten Blätter?
Leider nicht sofort. Die ersten Blätter sind meist eher schlicht. Die charakteristische, stark gelappte Blattform entwickelt sich oft erst nach mehreren Monaten oder sogar Jahren.
Welche Schädlinge können auftreten?
Bei sehr trockener Luft können Spinnmilben zum Thema werden, vor allem in der Heizperiode. Insgesamt gilt der Baumphilodendron jedoch als robust und wenig anfällig, wenn Standort, Substrat und Wassergaben stimmen.
Ist der Philodendron bipinnatifidum für Haushalte mit Kindern oder Haustieren geeignet?
Wie alle Aronstabgewächse ist auch diese Art giftig. Der Pflanzensaft enthält Calciumoxalat und kann Haut und Schleimhäute reizen. Er sollte daher außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren stehen.
Blüht der Philodendron bipinnatifidum in Zimmerkultur?
Das kommt vor, ist aber extrem selten und erfordert viel Platz, Licht und Geduld. Die spektakulären, wärmeerzeugenden Blüten treten meist erst bei sehr alten, gut etablierten Pflanzen auf.
Fazit
Den Philodendron bipinnatifidum aus Samen zu ziehen ist kein Projekt für „mal eben“. Es ist ein leises, langsames Pflanzenabenteuer – du bekommst einen Baum fürs Leben.
Aus einem so kleinen Samen wächst kein kleines Deko-Objekt, sondern ein raumfordernder Mitbewohner. Und wenn du irgendwann unter seinem Blätterdach sitzt und denkst:
„Den habe ich großgezogen.“, dann weißt du, warum sich diese Anzucht aus Samen lohnt.