Anzucht im Winter (Dezember, Januar, Februar)

Anzucht im WinterDie Wintermonate können für Pflanzenliebhaber eine anspruchsvolle Zeit sein. Sowohl die Anzucht als auch die Pflege von Zimmerpflanzen bedürfen im Dezember, Januar und Februar einer erhöhten Aufmerksamkeit. Der nachfolgende Beitrag thematisiert die veränderten Umweltbedingungen in der kalten Jahreszeit und gibt wertvolle Tipps und Tricks für die Handhabung von Pflanzensamen und Keimlingen im Winter. Am Ende des Beitrages findet sich sogar eine Anleitung zur Herstellung eigener Mini-Gewächshäuser.

Inhalt

  1. Anzucht in den Wintermonaten
  2. Hilfsmittel für die Anzucht im Winter
  3. Exkurs: Mini-Gewächshäuser selbst basteln
  4. Pflanzenpflege im Winter

Anzucht im Dezember, Januar und Februar

Die Anzucht von Zimmerpflanzen kann im Dezember und Januar und Februar eine größere Herausforderung darstellen als in den wärmeren Monaten: Der Schritt der Keimung stellt ein bedeutendes Ereignis für die Pflanze dar. Der Zustand eines widerstandsfähigen Samens, der vor diversen Außeneinwirkungen wie Witterungsverhältnissen und Nährstoffmangel geschützt ist, wird gegen einen empfindlichen Keimling ausgetauscht. Daher ist der Zeitpunkt der Keimung von höchster Relevanz für die Pflanze. Eine Gruppe von Schweizer Forschern hat im Jahr 2023 im Rahmen einer Studie sogar herausgefunden, dass Pflanzensamen ein inneres Thermometer haben, welches eine Verzögerung der Keimung bei unpassender Temperatur veranlassen kann, oder diese sogar vollständig verhindert. Neben Wärme ist auch Feuchtigkeit für die Keimung von hoher Bedeutung. Beide Anforderungen werden daher nachfolgend aufgegriffen.

(Luft-)Feuchtigkeit im Winter

Insbesondere bei einer Anzucht auf dem Fensterbrett sind die Keimlinge der oft trockenen Heizungsluft ausgesetzt. Diese stellt für (Jung-)Pflanzen einen Stressfaktor dar und kann zur Austrocknung führen. Um ein Austrocknen zu verhindern, kann der Topf mit einer Frischhaltefolie überzogen werden. Diese hat die Funktion, Verdunstung zu hemmen. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, dass ein regelmäßiger Luftaustausch stattfindet, um das Risiko von Pilzerkrankungen möglichst niedrig zu halten. Außerdem kannst du deine Pflanzen wöchentlich mit warmem Wasser mit geringem Kalkgehalt benetzen, um genug Feuchtigkeit zu gewährleisten. Hierzu eignet sich insbesondere Regenwasser. Weiterhin ist es möglich, eine kleine Schale mit Wasser zu befüllen und sie in der Nähe der Pflanzen zu platzieren oder einen Luftbefeuchter aufzustellen. Es sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass die Heizung nicht zu stark aufgedreht wird.

Hohe Temperaturen über 21 Grad bei gleichzeitig schlechten Lichtverhältnissen schaden den Pflanzen. Demnach sollten die Blumentöpfe nicht direkt auf oder neben den Heizkörpern platziert werden.

Temperatur im Winter

Neben der Feuchtigkeit ist auch die Temperatur für die Aussaat im Winter von Bedeutung. Jede Pflanze besitzt ein bestimmtes Ideal und eine Temperaturspanne innerhalb welcher eine Keimung stattfinden kann. Das Ziel ist es, möglichst nahe an den Optimalwert heranzugelangen, um eine schnelle Keimung zu begünstigen. In unseren Zimmerpflanzen Anzucht Beiträgen erfährst du, wie hoch diese Temperatur für spezifische Pflanzen ist. Für die Mehrheit der Samen sind dabei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad optimal. Sobald jedoch die Jungpflanze aus dem Samen hervorkommt, verändern sich auch die Temperaturanforderungen. So liegt die ideale Wachstumstemperatur circa 5,5 Grad unter dem Keimungsoptimum. Es gilt auch, eine Fluktuation der Temperatur zu vermeiden.  Hilfsmittel können hierbei Heizmatten sein (siehe weiter unten unter Hilfsmittel).

Licht im Winter

Für die Mehrheit der Zimmerpflanzensamen ist Licht für die Keimung nicht erforderlich. Häufig wird keimenden Samen jedoch gefiltertes Licht durch das Substrat zugeführt. Insbesondere für Dunkelkeimer (zu denen die meisten Zimmerpflanzen gehören) ist dies von Bedeutung, da diese für die Keimung langwelliges Licht benötigen, welches durch die obere Erdschicht gelangt. 

Sobald die Samen den Keimungsprozess erfolgreich durchlaufen haben, sollte jedoch genug Licht für deine junge Zimmerpflanze verfügbar sein, damit sie gesund wachsen kann. Ist dies nicht der Fall, könnten deine Sämlinge schwächlich und dünnstämmig werden. Man spricht dann auch von einer Vergeilung der Pflanze.

Das fehlende Licht stellt nach der Keimung im Winter eines der größten Probleme für die weitere Anzucht dar. Viele Zimmerpflanzen kommen ursprünglich aus tropischen Regionen, in denen es nicht an Licht fehlt. Wenn dann im Kontrast die Lichtverhältnisse des mitteleuropäischen Winters auf den empfindlichen Keimling einwirken, dann kann das eine schwierige Herausforderung sein. An diese Stelle kommt es sehr auf die genaue Pflanze und den Keimungszeitpunkt an.

Genaue Pflanze:  In unseren Studien haben wir festgestellt, dass die Keimlinge des Frangipani z. B. nicht besonders gut auf schlechte Lichtverhältnisse reagieren. Andere junge Zimmerpflanzen wie Monsteras und Drachenbäume sind da robuster. In unseren individuellen Anzucht Beiträgen klären wir dazu genauer auf.

Keimungszeitpunkt: Auch der Monat der Keimung ist sehr wichtig, um Pflanzen erfolgreich aus Samen zu ziehen. So sind im Dezember die Tage am kürzesten und deine Pflanze erhält damit zu diesem Jahreszeitpunkt auch am wenigsten Licht. Wir empfehlen dir daher, wenn du keine Hilfsmittel zur Anzucht verwenden willst, erst im Januar oder Februar deine Zimmerpflanzen Samen in die Erde zu setzen.

Tageslichtzeiten Anzucht

Hilfsmittel für die Anzucht im Winter

Für die Anzucht im Winter gibt es auch Hilfsmittel, derer du dich bedienen kannst. Am naheliegendsten sind dabei künstliche Lichtquellen, die genug Licht für deine Keimlinge gewährleisten. Auf was du bei der Auswahl der künstlichen Beleuchtung achten solltest, erfährst du in unserem Beitrag über Pflanzen und die Wellenlänge des Lichts. Bei der Positionierung der Lichtquellen auf einen geringen Abstand zwischen Keimling und der Lichtquelle zu achten. Bei Leuchtstofflampen beispielsweise sollte die Distanz nicht mehr als ungefähr 30 Zentimeter betragen.

Weiterhin können dir Heizmatten und erwärmte Töpfe bei der Anzucht im Winter helfen. Diese ermöglichen es, eine gleichmäßige Keimtemperatur zu gewährleisten und Wärme von unten (circa 21-23 Grad) kann dabei helfen, die Keimung zu beschleunigen. Allerdings ist dieses Hilfsmittel bei ausreichender und konstanter Zimmertemperatur nicht zwangsläufig nötig und weniger relevant als ergänzende Lichtquellen.

Ein Trick, um die Wurzeln deiner Pflanze vor Kälte zu schützen, sind Untersetzer aus beispielsweise Bambus oder auch Kork, da diese Wärme weniger leiten und so wärmer bleiben

Weitere Hilfsmittel sind spezielle Anzuchtkisten oder aber Mini-Gewächshäuser. Diese sorgen durch einen transparenten Deckel dafür, dass zwar Licht ins Innere gelangen kann, die Luftfeuchtigkeit allerdings weiterhin hoch bleibt.

Exkurs: Mini-Gewächshäuser selbst basteln

Gewächshaus selber bauenDie Gewächshäuser zur Anzucht in den kalten Monaten können dabei ganz einfach und preiswert selbst gebastelt werden. Hierzu können Plastikverpackungen, Plastikflaschen oder vergleichbare Materialen genutzt werden. Wichtig sind dabei folgende grundlegende Anforderungen:

  1. Beweglichkeit der Öffnung, um Samen zu gießen
  2. Überdeckung des Beetes mit einem kontinuierlichen Luftraum
  3. Löcher im Boden zur Vermeidung von Wasseransammlung an den Pflanzenwurzeln
  4. Helligkeit und Transparenz der Materialen für eine ausreichende Lichtzufuhr
  5. Belüftungslöcher zum Abfließen von Kondenswasser

Die Herstellung ist sehr einfach und erfordert nur ein paar wenige Handgriffe. Im Fall der PET-Flasche wird diese lediglich seitlich aufgeschnitten und der Boden entfernt. Je nach benötigtem Umfang kann dies relativ nah am Flaschenhals oder aber weiter unten sein. Anschließend wird der so zurechtgeschnittene Teil über das zarte Pflänzchen gestülpt (siehe Abbildung) und schon ist euer eigenes kleines Gewächshaus fertig. Denkt vor der Nutzung jedoch daran, den Deckel zu entfernen.

Unsere Bambustöpfe haben übrigens einen Durchmesser von 9,9 Zentimetern. Daher eignen sich am besten 1,5- 2l PET Flaschen für den Bau eigener Mini-Gewächshäuser.

Pflanzenpflege von älteren Pflanzen im Winter

Nach erfolgreicher Keimung und der ersten Phase der Anzucht im Winter ist es wichtig, den Pflanzen auch weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken und Zeit in die Pflege zu investieren. Generell ist zu bedenken, dass in den kalten Monaten Dezember, Januar und Februar auch ältere Zimmerpflanzen anfällig für die negativen Auswirkungen von trockener Heizungsluft und fehlendem Licht sind. Nachfolgend werden daher einige Aspekte vorgestellt, die es zu beachten gilt, um sie sicher durch den Winter zu bringen.

Zum einen empfiehlt es sich, die Pflanzen an einem möglichst hellen Standort zu platzieren. Auch Pflanzen, die weniger Licht benötigen (z.B. Monstera) können über Wintermonate an einen weniger dunklen Ort versetzt werden. Weiterhin ist zu beachten, dass der Winter und Herbst Ruhejahreszeiten für ältere Zimmerpflanzen darstellen und somit weniger Wasser benötigt wird. Bei Pflanzen, die ungefähr 3 Monate und älter sind, ist im Winter darauf zu achten, dass weniger Wasser zugeführt wird als zu den anderen Jahreszeiten. Dafür gießt du erst, wenn der Topf bereits trocken ist und die Pflanze somit bei der Wassergabe tatsächlich gegossen werden muss.

Ein Faktor, der besonders in den kalten Monaten eine Rolle spielt, ist zudem die Heizung. Aufgrund der warmen Heizungsluft kann es schnell passieren, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum abnimmt. Daher kannst du eine Tasse mit Wasser auf deine Heizung stellen. Das Wasser in der Tasse verdunstet dann und sorgt für eine höhere Luftfeuchtigkeit. Alternativ empfehlen wir deine Pflanzen einmal am Tag mit Wasser zu besprenkeln.

Weiterhin besteht im Winter für Zimmerpflanzen die Gefahr, dass es zu kalt ist. Daher sollten sie nicht unmittelbar neben einem kalten Fenster stehen. Auch die temporäre Zufuhr von kühler Luft kann schädlich sein. Daher sollten Zimmerpflanzen im Winter während des Lüftens in ausreichender Distanz zum kalten Durchzug platziert werden.

Die Tipps dieses Beitrages sind natürlich auch für Gemüsepflanzen anwendbar.

Quellen (ausklappen)
  • Baumjohann, D. (2021): 365 Tage Hochbeet. Ernteglück das ganze Jahr
  • Heistinger, A. (2019): Wühl dich glücklich. Mach dir einen Biogarten zum Ernten, Freuen und Teilen
  • Heistinger, A.; Verein ARCHE NOAH (2020): Handbuch Bio-Balkongarten. Gemüse, Obst und Kräuter auf kleiner Fläche ernten
  • Islam, M.N.; Jahan, M.R.; Ali, A.; Rony S.; Anannya T.T.; Aziz F.I.; Bayzed, M.; Azdani A.; Rabbi, M.F. (2019): Design and Development of an Intelligent Seed Germination System Based on IoT
  • Jauron, R.; Rindels, S. (2023): How to Successfully Start Seed Indoors
  • Kaiser, A.; Zimmer R. (2015): Bewegter Sachunterricht
  • LeVanessa, W. (2020): Pflanz' dich zu mir: Das 1x1 der Zimmerpflanzen
  • myScience® (Hrsg.) (2023): Dank eines internen Thermometers wissen die Samen, wann sie keimen müssen
  • Piskurewicz, U.; Sentandreu, M.; Iwasaki, M.; Glauser, G.; Molina-Lopez, L. (2023): The Arabidopsis endosperm is a temperature-sensing tissue that implements seed thermoinhibition through phyB (article’s Creative Commons license: http://creativecommons.org/)
  • Thomas, P.A. (2009): PROPAGATING HOUSE PLANTS
  • Wadas, R. (2018): Hausbesuch vom Pflanzenarzt: Tipps und Tricks für Garten und Balkon
  • Wadas, R. (2023): Der Pflanzenarzt: Gesundes Gemüse anbauen

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