Die Kunst des Gießens (Zimmerpflanzen)

Trinkende Pflanze mit Muskeln

Wasser ist das Lebenselixier für gesunde Pflanzen: Es ist unter anderem Grundlage für den pflanzlichen Stoffwechsel, pflanzliche Transportprozesse und die Stabilität pflanzlichen Gewebes. In diesem Beitrag erfährst du alles über die optimale Bewässerung von Zimmerpflanzen. Wir stellen die besten Methoden vor, um den richtigen Gießzeitpunkt zu bestimmen, erklären welche Unterschiede verschiedene Wassersorten mit sich bringen und zeigen auf welche Art und Weise die Bewässerung deinen Pflanzen am besten bekommt.  

Inhalt

  1. Wozu brauchen Zimmerpflanzen Wasser?
  2. Woran erkennt man, wann man Gießen soll?
  3. Was ist das beste Wasser für Zimmerpflanzen?
  4. Was ist die beste Gießtechnik für gesunde Zimmerpflanzen?
  5. Beispiele für Pflanzen mit unterschiedlichem Wasserbedarf
  6. Besprenkeln von Zimmerpflanzen
  7. Zusammenfassung

Wozu brauchen Zimmerpflanzen Wasser?

Wasser ist für Pflanzen unersetzlich. 95% des Gewebes einer Pflanze besteht aus Wasser. Die Wurzeln von Pflanzen nehmen Wasser aus dem Boden auf. Dieser enthält notwendige Nährstoffe. Das Wasser löst die Mineralsalze im Boden in frei bewegliche Ionen auf, sodass diese von den Wurzeln aufgenommen werden. Die Nährstoffe werden zur Sprossachse, zu den Blüten und in die Blätter transportiert. Wasser wird neben Kohlenstoffdioxid auch für die Photosynthese benötigt, die die Pflanze mit Energie versorgt. Außerdem verdunstet Wasser über die Blattunterseite (Transpiration), um die Pflanze vor Überhitzung und Trockenheit zu schützen.

Wärme, Wind und trockene Luft sorgen dafür, dass die Transpirationsrate erhöht wird und mehr Wasser durch die Pflanze in die Blätter transportiert wird.

Schließlich gibt Wasser der Pflanze Stabilität. Das Wasser stärkt die Zellen, da Druck an den Zellwänden aufgebaut wird. Das sorgt dafür, dass die Pflanze beweglich und dennoch stabil bleibt. So kann sie sich im Wind bewegen und sich entgegen der Sonne strecken, um ihre Photosynthese zu fördern.

Woran erkennt man, wann man Gießen soll?

Pflanzen zeigen auf verschiedene Art und Weise an, dass sie unter Wassermangel leiden. Sie können ihre Blätter herunterhängen lassen, die Blätter können sich eindrehen oder auch anfangen Farbe zu verlieren und an den Kanten braun werden.

Wassermangel kann auch durch das falsche Substrat verursacht werden. Zu dichtes Substrat, hindert die gesunde Wasseraufnahme ebenso wie zu durchläufiges Substrat. Topfe in diesen Fällen deine Pflanze am besten um.

Eine einfache und zuverlässige Möglichkeit, um zu überprüfen, ob es an der Zeit ist deine Pflanze mit Wasser zu versorgen ist es entweder einen Finger oder einen Holzstab in die Erde zu stecken. Wie tief du gehen musst, hängt von der Größe des Pflanztopfes ab. Ist dein Topf z.B. 10 Zentimeter hoch, dann reichen etwa 2-3 Zentimeter Tiefe. Bei einem Topf mit 30 Zentimeter Höhe, empfehlen wir 5-8 cm Tiefe. Wenn an dem Stab Substrat hängen bleibt, ist noch Feuchtigkeit im Substrat vorhanden. Sollte es allerdings schon schwierig sein den Stab in das Substrat zu stecken oder kommt er ohne Substratreste wieder zum Vorschein, wird es Zeit für eine Wassergabe. Nutzt du deinen Finger, dann solltest du Gießen, wenn du keine Feuchtigkeit beim Testen spürst.

Pflanzen auf einer WaageEine weitere Möglichkeit ist es, am Gewicht des Pflanzkübels fest zu machen, ob deine Pflanze noch genug Feuchtigkeit im Substrat aufweist. Vergleiche das Gewicht, nachdem du gegossen hast mit dem Gewicht der Pflanze, wenn du denkst, sie muss wieder gegossen werden. Wenn deine Pflanze wesentlich leichter ist, dann ist es an der Zeit für eine frische Wasserzufuhr.

Der Gießrhythmus variiert zwischen den Jahreszeiten. Während die höhere Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten sowie die hohen Temperaturen zu einem erhöhten Wasserbedarf führen, sieht es im Winter anders aus. Die Energie, die Pflanzen mittels Photosynthese produzieren werden in den Sommermonaten zum Teil gespeichert, um die Wurzeln im Winter mit Nährstoffen zu versorgen, sodass eine Art Winterruhe eintritt und die Pflanzen nicht weiterwachsen. Folglich wird wesentlich weniger Wasser benötigt. Die Techniken, um zu überprüfen, ob deine Pflanze Wasser braucht, bleiben die gleichen. Allerdings wird es nicht wie im Sommer zum Beispiel einmal die Woche der Fall sein, sondern eher alle 3 – 4 Wochen. Viele Sukkulenten und Kakteen beispielsweise benötigen den ganzen Winter gar kein Wasser. 

Was ist das beste Wasser für Zimmerpflanzen? 

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, die bei der Wasserwahl in Betracht gezogen werden können. Das sind Regenwasser, Leitungswasser und destilliertes Wasser.

Regenwasser besitzt einen pH-Wert von durchschnittlich 5,5 bis 5,8 und ist somit leicht sauer. Die meisten Pflanzen benötigen einen leicht sauren pH-Wert im Substrat von 5,5 bis 6,5. Regenwasser trifft diesen Bereich recht gut und beeinflusst den pH-Wert des Substrates kaum. Zudem hat es einen hohen Sauerstoffgehalt, der wichtig für das Wurzelwachstum und die Nährstoffaufnahme ist. Allerdings stellt es sich schnell als schwierig heraus seine Pflanzen mit Regenwasser zu gießen, wenn man in einem Mehrfamilienhaus wohnt oder wenn es gerade nicht regnet. Aus diesem Grund müssen wir alternative Wasserquellen suchen, um unsere Pflanzen vor Trockenheit zu bewahren.

Leitungswasser wird sehr häufig genutzt, um Pflanzen zu gießen. Dieses ist oft basisch mit pH-Werten zwischen 7,5 und 8,5. Wird über lange Zeit ausschließlich Leitungswasser genutzt kann dies auch den pH-Wert des Substrates beeinflussen, sodass deine Pflanze manche Nährstoffe schlechter aufnehmen kann. In unserem Zimmerpflanzen pH-Wert Beitrag efährst du mehr über dessen Bedeutung.

Außerdem kann Leitungswasser sehr hart sein. Hierzu tragen Calcium und Magnesium bei. Im Grunde ist das für die meisten Pflanzen nicht problematisch. Allerdings können sich Kalkrückstände auf der Oberfläche des Substrates bilden, wodurch das Wasser nicht optimal aufgenommen werden kann. Sehr natriumhaltiges Wasser auf der anderen Seite, kann auf Dauer zu einer Versalzung des Substrates führen, was sich negativ auf die Pflanzengesundheit auswirken kann. Da die Zusammensetzung von Leitungswasser regional stark variiert empfehlen wir dir dich über die Besonderheiten deines lokalen Wassers zu informieren. Im Bericht „Grundwasser in Deutschland“ des Umweltbundesamtes findest du dazu zahlreiche Informationen, z.B. auf Seite 16 zur Wasserhärte in deiner Region.

Destilliertes Wasser enthält keinerlei Minerale und wird von sämtlichen Verunreinigungen und sonstigen Spurenelementen befreit. Nutzt man solches Wasser als Gießwasser hat das den Effekt, dass Mineralien und Nährstoffe aus dem Substrat herausgespült werden. Auf lange Sicht kann die Pflanze so schlichtweg nicht überleben. Allerdings kann es in Verbindung mit Leitungswasser genutzt werden, zu hartes Leitungswasser etwas zu neutralisieren.

Zimmerpflanzen können auch mit destillierten Wasser besprüht werden, um die Pflanzen zu befeuchten und gleichzeitig Kalkablagerungen zu verhindern. 

Methoden zur Neutralisierung von zu hartem Wasser

  1. Abwechselnd mit Leitungswasser und destilliertem Wasser gießen. Du kannst zum Beispiel zwei Gießperioden Leitungswasser verwenden und bei der nächsten verwendest du destilliertes Wasser, um die überschüssigen Mineralsalze zu reduzieren und den pH-Wert des Substrates, wenn nötig, zu senken.
  2. Wasser Filter verwenden. Es gibt gute Wasserfilter, die schädliche Stoffe aus dem Wasser entfernen oder reduzieren wie zum Beispiel den Kalkgehalt und Pestizidrückstände oder übermäßige Schwermetalle, ohne dabei notwendige Nährstoffe vom Wasser zu trennen.
  3. Leitungswasser abkochen. Wenn Leitungswasser für 10 bis 15 Minuten abgekocht wird, kann der Kalkgehalt im Wasser gesenkt werden. Komplett entkalkt wird das Wasser jedoch nicht und andere Mineralien werden dabei ebenfalls nicht zerstört.

Was ist die beste Gießtechnik für gesunde Zimmerpflanzen?

Im Großen und Ganzen wird zwischen zwei Gießtechniken unterschieden. Du kannst deine Pflanze von oben oder von unten gießen. Den meisten Pflanzen ist es egal von welcher Seite sie Wasser bekommen. Beide Techniken haben allerdings gewisse Vorzüge, sowie Nachteile.

Wenn du deine Pflanze von oben gießt, solltest du darauf achten, dass du nicht die Pflanze an sich gießt, sondern das gesamte Wasser direkt auf das Substrat gelangt.

Comic GießkanneDie Blätter und die Sprossachse sollten nicht mitgegossen werden, da so das Risiko für Pilzinfektionen steigen kann. Wenn die Zeit reif ist für eine Wassergabe, ist es wichtig, dass du nicht nur die Oberfläche etwas befeuchtest, sondern dass das Wasser durch das ganze Substrat gelangt, und etwas überschüssiges Wasser in den Untertopf fließt. Eine tiefe Wassergabe hat folgende Vorteile: Das Wurzelwachstum wird bestärkt und überschüssige Mineralien können aus dem Substrat gespült werden. Nachteilig an dieser Technik ist die Gefahr von Staunässe, wenn das Wasser nicht richtig abfließen kann oder zu oft gegossen wird. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig sicherzustellen, dass es wirklich an der Zeit ist deine Pflanze zu gießen.

Wenn du lieber von unten Gießen möchtest, befülle den Untertopf mit Wasser und warte bis es komplett aufgesaugt wurde. Befülle den Untertopf danach wieder mit Wasser. Sobald kein Wasser mehr aufgesaugt wird, kannst du das überschüssige Wasser entweder für eine andere Pflanze nutzen oder entsorgen. Diese Technik ist etwas zeitaufwendiger, hat allerdings den Vorteil, dass du deine Pflanze nicht so leicht übergießt. Außerdem regt es die Wurzeln an, bis zum Boden zu wachsen. Nachteilig ist, dass sich durch diese Technik schlechter überprüfen lässt, wann der richtige Zeitpunkt zum Gießen gekommen ist.

Wie bereits bei der Wasserauswahl bietet es sich an, eine Balance zu finden. Du kannst deine Pflanze zum Beispiel abwechselnd einmal von oben und beim nächsten Mal von unten gießen.

Sollte es mal nicht möglich sein, dass du deine Pflanzen gießen kannst, weil du zum Beispiel im Urlaub bist, kannst du das Gießen auch automatisieren. Zum Beispiel kannst du ein Kapillarwassersystem kaufen oder ein Bewässerungssystem für Zimmerpflanzen selbst zusammenbauen.

Pflanzen unterscheiden sich im Wasserbedarf

Einige Pflanzen wie zum Beispiel Basilikum haben einen großen Wasserbedarf. Um diesem gerecht zu werden kannst du solche Pflanzen auch mal in ein Tauchbad stecken und warten bis überschüssiges Wasser abgetropft ist, bevor du sie wieder an Ort Stelle bringst. Auch Farne oder Tomatenpflanzen benötigen viel Wasser. Das Substrat sollte bestenfalls durchgehend feucht sein, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.

Kakteen sind in den Sommermonaten ebenfalls Freunde eines Tauchbades. Dieses sollte jedoch erst angewendet werden, wenn das Substrat durchgehend trocken ist. 

Besprenkeln von Zimmerpflanzen

Als letzten Aspekt der Bewässerung schauen wir uns noch kurz das Besprühen an. Je trockener die Luft ist, desto öfter sollten deine Pflanzen mit Wasser benetzt werden. Besonders in den Wintermonaten ist das durch die trockene Heizungsluft der Fall. Besprühen beugt den Befall vor Schädlingen wie Wollläusen oder Spinnmilben vor. Das Besprühen der Blätter sollte dabei entweder sehr früh am Morgen oder am Abend stattfinden. Wenn die Sonneneinstrahlung hoch ist, können die Tropfen nämlich für Verbrennungen der Blätter sorgen. Außerdem kann hartes Leitungswasser Kalkrückstände auf den Blättern verursachen – diese können mit destilliertem abgewaschen werden oder durch das Besprühen mit Regenwasser verhindert werden.

Zusammenfassung 

  1. Pflanzen benötigen Wasser, um Photosynthese betreiben zu können, die Zellen zu stärken und Transportprozesse aufrecht zu erhalten.
  2. Ob deine Pflanze gegossen werden muss, erkennst du relativ einfach, indem du ihr etwas Aufmerksamkeit schenkst. Auf Wassermangel deuten hängende oder verwelkte Blätter, ein ausgetrocknetes Substrat oder ein leichter Pflanzenkübel hin.
  3. Regenwasser ist zum Gießen ideal, da der pH-Wert leicht säuerlich ist und Regenwasser viel Sauerstoff enthält. Leitungswasser kann zu kalkhaltig sein und einen zu hohen pH-Wert aufweisen, was der Pflanze auf Dauer schadet. Destilliertes Wasser hingegen spült die Mineralien und Nährstoffe aus dem Boden und sollte daher nicht allein als Gießwasser verwendet werden. Eine Mischung aus Leitungswasser und destilliertem Wasser ist eine Option.
  4. Pflanzen können von oben oder von unten gegossen werden. Von oben zu gießen ist einfacher und geht schneller, kann aber Staunässe erzeugen. Von unten zu gießen, fördert das Wurzelwachstum, ist allerdings aufwendiger. Abwechselnde Verwendung beider Techniken wird deine Pflanze dir danken. 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare bei uns vor der Veröffentlichung geprüft werden.