Der Nährstoff-Guide für Zimmerpflanzen

Mangelerscheinungen an Blättern Übersicht

Pflanzen bestehen zu 95% aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Für die restlichen 5% sind weitere wichtige Nährstoffe verantwortlich. Sie machen zwar nur einen kleinen Bestandteil des Gewichtes der Pflanze aus, aber spielen eine wichtige Rolle für das gesunde Wachstum. In diesem Beitrag lernst du über die Funktion dieser wichtigen Nährstoffe, wie du ihren Mangel erkennst und was du dagegen unternehmen kannst.

Inhalt:

  1. Was sind Nährsalze?
  2. Liste aller Nährstoffe und ihrer Funktion
  3. Mangelerscheinungen erkennen
  4. Mangelerscheinungen beheben

Was sind Nährsalze 

Nährsalze sind Stoffe die neben Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff eine wichtige Rolle für die Ernährung von Pflanzen spielen. Sie können in wassergelöster Form als Ionen über die Wurzel oder über die Oberfläche also über Blattdüngung aufgenommen werden.
Ein Großteil der im Boden vorhanden Nährsalze ist in Mineralien, Humus und anderen Verbindungen gebunden und wird daher erst über einen längeren Zeitraum für die Pflanze verfügbar. Der Boden funktioniert als Speicher, der langsam Nährstoffe abgibt. Wenn die Zusammensetzung der Nährstoffe im richtigen Verhältnis ist, kann die Pflanze über eine längere Zeit vom Boden Nahrung beziehen.
Im falschen Verhältnis kann es allerdings zu Mangelerscheinungen oder Überdüngung kommen. Denn Pflanzen können nicht wählen, welche Stoffe sie aus dem Boden aufnehmen. Wenn wichtige Nährstoffe fehlen, werden nur die verfügbaren Nährstoffe aufgenommen und in der Pflanze angereichert. Das Gesetz von Liebig gilt:

Der Nährstoff, der in Bezug auf seine benötigte Menge am geringsten verfügbar ist, bestimmt über das maximal mögliche Wachstum der Pflanze.

Das bedeutet, dass das Hinzufügen eines mangelhaften Nährstoffes zu außerordentlichem Gedeihen der Pflanze führen kann. Schauen wir uns die Funktionen der unterschiedlichen Nährstoffe an:

Liste aller Nährstoffe und ihrer Funktionen

Die Nährstoffe lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

1. Makronährstoffe

Die Makronährstoffe sind für die Strukturbildung der Pflanzen wichtig und werden auch Bauelemente genannt. Im Folgenden sind die Ionen der verschiedenen Nährsalze mit ihrer Funktion aufgezählt:

Stickstoff – Wachstum, Bildung von Eiweißen

Phosphor - Blüte und Früchte (mehr Vitamine und besserer Geschmack), Winterhärte, Energieversorgung der Pflanze

Kalium - Gesundheit und Winterhärte, Feuchtigkeitshaushalt

Magnesium - Blattgrün (Chlorophyllbildung), Energiehaushalt der Pflanze

Calcium – Bewegungsabläufe, Stabilisierung von Zellwand und Membranen

Schwefel – Bildung von Eiweißen, Duftstoffe der Pflanze (Kommunikation)

Eisen – Bildung von Blattgrün, Wurzelwachstum

Durch Ionentausch können Wurzelhaare sogar aus Steinen Nährsalze ziehen. Das kann man zum Beispiel in Form von Ätzspuren auf Marmorplatten sehen.

2. Mikronährstoffe

Die Mikronährstoffe werden für die Enzymbildung benötigt und unterstützen somit biochemische Prozesse der Pflanze. Sie werden auch Funktionselemente genannt.
Eine vollständige Liste der Mikronährstoffe aufzustellen ist nicht so einfach. Nach dem heutigen Stand der Forschung gibt es nämlich Mikronährstoffe, die nur von bestimmten Pflanzen benötigt werden. Zum Beispiel benötigen manche Algen Silizium zum Aufbau einer Schale und können mithilfe von Kobalt Vitamin B12 selbst herstellen. Halophyten, also Pflanzen, die salzige Standorte bevorzugen, können unterdessen Natrium gebrauchen.
Mikronährstoffe, die alle Pflanzen benötigen, sind Molybdän, Mangan, Kupfer, Bor und Zink.

Molybdän – Bildung von Hormonen und Enzymen

Kupfer – Bildung von Proteinen und Vitaminen, Verholzung der Pflanze, Gewebeheilung

Zink – Enzymbildung, Blattadern, Längenwachstum

Mangan – Zellwände, Stoffwechsel

Bor – Zellwände, Wurzelsystem, Stoffwechsel

Beim elementaren Vergleich der Zusammensetzung einer Pflanze und ihres Bodens stellt man fest, dass kaum Unterschiede bestehen. Pflanzen nehmen also alle verfügbaren Elemente (außer Kohlenstoff) aus dem Boden auf.

Die benötigen Mengen von Mikronährstoffen sind sehr gering. Bei Tabakpflanzen wurde zum Beispiel herausgefunden, dass gesunde Pflanzen ungefähr 20 Millionstel Teile Bor enthalten. Die doppelte Menge hingegen kann bereits giftig für die Pflanze sein. Daraus folgt, dass die Düngung mancher Mikronährstoffe für private Gärtner sehr schwierig ist.
Schauen wir uns erst einmal an, welche Mangelerscheinungen durch Nährstoffe hervorgerufen werden können:

Mangelerscheinungen erkennen

Mangelerscheinungen können durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Zum Beispiel durch Schädlinge, das Klima oder Pflanzenschutzmittel.
Einen Mangel von Nährstoffen erkennst du am Anfang am besten an den Blättern. Da Nährstoffe unterschiedlich beweglich sind, erscheinen Mangelerscheinungen je nach Nährstoff zuerst bei älteren oder jüngeren Blättern.

Mobile Nährstoffe (Symptome zuerst an älteren Blättern)

Stickstoff: Gelb-/Purpurfärbung der Blätter, Wurzeln wachsen stärker als die oberirdische Pflanze, Blätter liegen am Stängel an

Kalium: Rand der Blätter stirbt ab, dünnere Stängel, kleinere Blüten und Früchte, punktförmiges abgestorbenes Gewebe

Phosphor: Dunkelfärbung der Blätter (bis zu violett), Wurzeln entwickeln sich schlechter, Blätter liegen am Stängel an, verminderte Blüten

Magnesium: Blätter vergilben zwischen den Blattadern, später färben auch jüngere Blätter sich gelb

Stickstoff-/Schwefelmangel am Blatt Kaliummangel am Blatt Phosphormangel am Blatt

Mäßig mobile Nährstoffe (Symptome an allen Blättern)

Zink: Zwergwuchs, abgestorbene Flecken auf den Blättern, Absterben von der Blattspitze an

Mangan: schwächeres Wachstum, Gelbfärbung und Absterben der Blätter

Schwefel: langsames Pflanzenwachstum, Vergilbung der Blätter, Blätter liegen am Stängel an

Magnesium-/Eisen-/Kupfermangel am BlattZinkmangel am BlattManganmangel am Blatt

Wenig mobile Nährstoffe (Symptome zuerst an jüngeren Blättern)

Eisen: Blätter werden immer heller (erst gelblich, dann weiß), die Blattadern bleiben grün

Bor: Missbildung von Blättern und Früchten, Absterben von der Blattspitze an

Calcium: Störungen in der Entwicklung, braune Stellen auf den Blättern, Verwelkung der Sprossspitze, Blätter verwelken und fallen ab, Abknicken des Stängels

Molybdän: Blätter bleiben klein und wellen sich

Kupfer: keine Blütenbildung, Gelbfärbung zwischen den Blattadern, Einrollen der Blätter, strukturschwache Stängel

Bor-/Molybdänmangel am BlattCalciummangel am Blatt

Mangelerscheinungen beheben

Welche Faktoren beeinflussen die Nährstoffzusammensetzung im Boden

Schauen wir uns an, wie du die optimale Nährstoffzusammensetzung deines Substrates erreichst. Abhängig vom pH – Wert des Bodens können verschiedene Nährsalze besser bzw. schlechter aufgenommen werden. In sauren Böden sind Aluminium-, Eisen- und Manganionen vermehrt gelöst und Calcium-, Magnesium-, Kalium-, Phosphor- und Molybdänionen weniger. In basischen Böden ist das umgekehrt. Durch eine Beeinflussung des pH-Wertes kannst du also schon selektieren, für welche Ionen der Bedarf größer ist. Dazu findest mehr unter pH-Werte für Zimmerpflanzen.

Durch das Versauern deutscher Böden besteht in vielen deutschen Wäldern ein Magnesiummangel. Symptome dafür sind z.B. bei Fichten als „Montane Vergilbung“ zu erkennen.

Weitere Faktoren, die die Aufnahme von Nährstoffen beeinflussen sind die Beschaffenheit der Rhizosphäre, die Bodenfeuchte und die Bodentemperatur. Allerdings sind diese Faktoren für jede Pflanze sehr individuell und werden daher in unseren Pflanzanleitungen genauer beschrieben.

Durch eine Lockerung des Substrates können Nährstoffe besser verfügbar gemacht werden.

Das Substrat mit Nährstoffen aufpeppen

Nun kennst du die Ursachen für Mangelerscheinungen und hast sicherlich ein gutes Bild davon, was deinen Pflanzen fehlen kann. Dabei wollen wir es nicht belassen. Hier sind organische Hausmittel mit deren Hilfe du gezielt auf Mangelerscheinungen eingehen kannst.

Eisen: Der optimale pH-Wert zur Aufnahme von Eisen liegt zwischen 5,0 und 7,5. Wenn der pH-Wert stimmt, kann eine Düngung durch abgestandenes Bier oder grünen Tee erfolgen.

Stickstoff: Kaffeesatz verwenden, enthält auch etwas an Phosphor, Kalium und Schwefel, alternativ: Hornspäne, Brennesseljauche.

Calcium: Eierschalen ungekochter Eier für 2 Wochen in Wasser aufweichen lassen und damit verdünnt düngen, enthält auch geringe Mengen von Kalium, Phosphor und Magnesium, kann den pH-Wert leicht anheben.

Kalium: Holzasche, ausschließlich aus naturbelassenem Holz herstellen, sonst können Schwermetalle ins Substrat gelangen, enthält auch etwas Calcium, alternativ: zerkleinerte Bananenschalen, Brennesseljauche.

Nicht gesondert aufgezählte Nährstoffe sind Bestandteil vieler Verbindungen und kommen teilweise auch in den obigen Düngemitteln vor. Eine gesonderte Düngung ist in der Regel nicht notwendig. Falls es doch zu Mangelerscheinungen kommt, kann das Zimmerpflanzenerde mit einem hochwertigen selbst gemischten Substrat ausgetauscht werden. Komposterde eignet sich hier, denn sie enthält einen gesunden Mix der Nährstoffe. Wenn eine Düngung vorgenommen wird, sollte immer vorsichtig und in langsamen Schritten gedüngt werden. Denn bei Übermaß eines einzelnen Nährstoffes wird die Aufnahme anderer Nährstoffe behindert. Zum Beispiel werden durch zu viel Phosphordüngung weniger Spurenelemente aufgenommen. Außerdem kann ein Übermaß an Nährstoffen die Pflanze „verbrennen“ und ihr so schaden.

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