Recycelte Blumentöpfe – so entwickeln wir unsere Blumentöpfe aus Recyclingmaterial

Im dritten und letzten Teil unserer Analyse zu nachhaltigen Blumentöpfen geht es um den Einsatz von recyceltem Kunststoff. Unsere Frage lautete: Wie lässt sich ein funktionsfähiger Blumentopf aus 100% recyceltem Kunststoff entwickeln. In diesem Beitrag erfährst du, worauf wir wert gelegt haben und was wir bei der Entwicklung der recycelten Blumentöpfe beachten, um deren Nachhaltigkeit zu optimieren.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. So können wir mit recycelten Blumentöpfen Zimmerpflanzen neu denken
  3. Meeresplastik ist das perfekte Material für einen recycelten Blumentopf
  4. Verschiedene Kunststoffe lassen sich am Lebensende zu neuen Blumentöpfen recyceln
  5. So können wir sicherstellen, dass unser recycelter Blumentopf selbst gut recycelbar ist
  6. Vor diesen weiteren Herausforderungen stehen wir bei der Entwicklung des recycelten Blumentopfes
  7. Recycelte Blumentöpfe kaufen
  8. So kannst du uns bei der Entwicklung des nachhaltigsten Blumentopfes unterstützen

Einleitung

Nachdem wir im ersten Beitrag zu nachhaltigen Blumentöpfen designtechnische und konzeptionelle Fragen geklärt haben, konnten wir im 2. Beitrag verschiedene Blumentopf Materialien auf ihre Nachhaltigkeit und Eignung überprüfen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass von allen Materialien recycelter Kunststoff die nachhaltigste Materialmöglichkeit für einen Blumentopf darstellt. Daher haben wir sehr ausführlich zum Kunststoff Recycling recherchiert und einen separaten Ratgeber mit allen wichtigen Recyclingoptionen verfasst. Auf Basis unserer Erkenntnisse legen wir in diesem Beitrag dar, wie ein optimierter recycelter Blumentopf von uns entwickelt werden kann. Am Ende des Beitrages findest du eine Möglichkeit uns bei der Entwicklung zu unterstützen.

So können wir mit recycelten Blumentöpfen Zimmerpflanzen neu denken

Unsere Vision als Unternehmen ist es, Zimmerpflanzen neu und nachhaltiger zu denken. Ein wichtiger Aspekt von Zimmerpflanzen ist ihr „zuhause“ der Blumentopf. Wir haben uns überlegt, wie sich die Blumentopf Nachhaltigkeit optimieren lässt. Dafür macht es aus unserer Sicht Sinn, den Lebenszyklus von Blumentöpfen neu zu denken. Statt „neu kaufen – einmal verwenden – wegwerfen (Einwegsystem)“ streben wir folgenden Lebenszyklus auf Basis des Prinzips der Kaskadennutzung und eines Mehrwegsystem an:

1. Aus der Natur gebundenen Müll zu langlebigen Blumentöpfen recyceln und diese Blumentöpfe durch ein Pfandsystem möglichst lange verwenden und später an neue Nutzerin und Nutzerinnen weitergeben.

2. Die Blumentöpfe aus einem recycelbaren Material designen, so dass diese am Ende des Lebenszyklus recycelt und neu verarbeitet werden können.

3. Das recycelte Material energetisch verwerten, wenn es nicht mehr mechanisch recycelbar ist (z.B. thermische Verwertung)

Auf diese Weise werden einerseits energie- und materialeffizient neue recycelte Blumentöpfe produziert und gleichzeitig mit jedem Blumentopf Müll aus der Natur gebunden.

Meeresplastik ist das perfekte Material für einen recycelten Blumentopf

Wir haben geprüft, welche Quellen für recycelbaren Kunststoff für unsere Anforderungen in Betracht kommen. Daher haben wir neben Lebenszyklusanalysen für unsere interne Bewertung vor allem gefragt: Was passiert, wenn wir den Müll aus den verschiedenen Quellen nicht recyceln. Eine Erläuterung der Quellen findest du im Recycling Beitrag.

Post Industrial Rezyklat: wird mindestens verbrannt oder deponiert, aber wahrscheinlich sogar von anderen Unternehmen aufgrund seiner hohen Qualität verwertet -> kein akuter Handlungsbedarf

Post Consumer Rezyklat: ca. 3% landen in der Natur, der Rest wird mindestens verbrannt oder deponiert -> größerer Handlungsbedarf

Meeresgebundener Kunststoff: verbleibt ohne Recycling in der Natur und sondert fortlaufend kritische Substanzen (Mikroplastik, weitere Schadstoffe ab) -> akuter Handlungsbedarf

Auf Basis unseres Wissens und unserer subjektiven Problemgewichtung können wir den größten Beitrag leisten, wenn wir meeresgebundenen Kunststoff nachfragen und recyceln.

Verschiedene Kunststoffe lassen sich am Lebensende zu neuen Blumentöpfen recyceln

Damit unsere recycelten Blumentöpfe später selbst wieder recycelbar sind, sollte der Kunststoff möglich stofflich einheitlich und ein wiederverwendbarer Thermoplast sein, damit er im nächsten Recycling-Zyklus problemfrei verwertet werden kann. Allerdings liegt der Flaschenhals wie wir festgestellt haben nicht bei zu wenig theoretisch recycelbaren Produkten, sondern bei den tatsächlich recycelten Produkten. Vereinfacht ausgedrückt: „Niemand will das schlechte Rezyklat für seine Produkte verwenden/ Produkte daraus kaufen“. Deshalb liegt unsere Priorität darin, „schlechten“ Kunststoff aus der Natur zu verwenden und im Optimalfall können wir ein Rezyklat aus Meeresmüll binden, dass noch die Anforderungen an eine Recycelbarkeit erfüllt. Folgende Materialanforderungen sind uns für die recycelbaren Kunststoffe wichtig:

es sollte keinen negativen Geruch haben

es sollte beständig sein, damit der recycelte Blumentopf eine lange Verwendungszeit hat (vor allem UV-beständig)

es sollte nicht mit dem Substrat in Reaktion treten

es sollte temperaturbeständig mindestens von 0 – 70 °C sein, damit der recycelte Blumentopf ausgewaschen und sauber weitergegeben werden kann

es sollte keine Zugabe von neu produziertem (virginem) Kunststoff notwendig machen (100% recycelt)

es sollte keine Schadstoffe freisetzen (REACH und POP-konform)

es sollte aus meeresgebundenem Kunststoff bestehen

reduzierte Transportwege und Know-How zur Verarbeitung des Rezyklates in Deutschland oder Europa

Dabei kann sich in der nächsten Phase unserer Produktentwicklung herausstellen, dass einige Anforderungen im Konflikt miteinander stehen und deshalb Abstriche von uns gemacht werden müssen. Wir stehen im ersten Austausch mit Produzenten und überprüfen die Kompatibilität mit den Anforderungen. Wir aktualisieren den Beitrag bei neuen Erkenntnissen.

Nach unserem aktuellen Kenntnisstand kommen für unsere Anforderungen am ehesten Rezyklate aus HDPE und PP in Frage.

Polyethylen (PE) ist ein günstiger und gut verformbarer Kunststoff, der auch gut gegen Säuren, Laugen und andere aggressive Stoffe beständig ist. Für unseren Anwendungsfall ist High Density Polyethylen interessant, der im Vergleich zur Version mit niedrigerer Dichte (LDPE) weniger flexibel und beständiger ist. Der Kunststoff ist zwischen -60 und 85°C temperaturbeständig und ohne Zusätze farblos. PE lässt sich sehr gut recycelt. Es werden aktuell ungefähr 13 Prozent des HDPE-Abfalls recycelt. In einer Studie waren 10 Recyclingzyklen möglich.

Polypropylen (PP) ist in der Regel etwas teurer als PE, gut verformbar und sogar fester und beständiger gegen Säuren als PE. Außerdem ist das Material noch etwas leichter. Polypropylen ist ungefähr zwischen 0 und 100°C temperaturbeständig. Daher ist es ohne Zusätze nicht für Blumentöpfe im Außenbereich geeignet. Das Material ist ohne Zusätze durchscheinend weiß, recycelt jedoch eher grau meliert. Polypropylen wird seltener recycelt als PE, theoretisch lässt sich die aktuelle Recyclingquote von 8 Prozent noch ausbauen. In einer Studie erlaubte der Kunststoff 4 Recyclingzyklen. In einer anderen Studie verlor recyceltes PP jedoch weniger schnell an Qualität als recyceltes PE. Außerdem werden beim Recycling von PP in der Regel keine giftigen Stoffe eingesetzt.

So können wir sicherstellen, dass unser recycelter Blumentopf selbst gut recycelbar ist

Bei unserer Recherche sind wir auf einige wichtige Anforderungen an das Produktdesign gestoßen, die eine bessere Recycelbarkeit gewährleisten können. Auf die folgenden Anforderungen werden wir nach Möglichkeit achten, da sie die Recycelbarkeit verbessern:

- Kennzeichnung des Materials und seiner Recyclingmöglichkeiten am Produkt

- Verzicht auf dunkle Einfärbung des Kunststoffes

- Einsatz stofflich einheitlicher Kunststoffe

- Einsatz häufig verwendeter Kunststoffe - Produktbestandteile eines anderen Materials z.B. Deckel, Etikett etc. vermeiden und wenn nicht anders möglich zumindest leicht separierbar machen

- Zusatz von schlecht recycelbaren Additiven vermeiden

- Kein Aufdruck, dafür ist eine Lasergravur möglich

Vor diesen weiteren Herausforderungen stehen wir bei der Entwicklung des recycelten Blumentopfes

Auch wenn wir sehr ambitionierte Ansprüche an den Blumentopf haben, sollte keine falsche Erwartungshaltung entstehen. Beim Recycling werden Abfälle zu neuen Produkten verwertet. Diese Abfälle lassen sich nicht einfach wieder zu makellosen Produkten verarbeiten. Daher müssen beim Recycling auch Abstriche gemacht werden und es wäre unrealistisch zu erwarten, dass sich alles 1:1 wie wir uns das in diesem Konzept vorstellen umsetzen lässt. Wir haben uns bereits sehr ausführlich mit Recycling beschäftigt, so dass unsere Erwartungshaltung nicht vollständig über den Haufen geworfen werden wird. Aber einige Anpassungen werden im weiteren Verlauf sehr wahrscheinlich vorgenommen werden müssen. Wir möchten darüber transparent berichten und alle Interessierten bei der Entscheidungsfindung mitnehmen.

Wie wir bereits im Recyclingbeitrag dargelegt haben, ist echtes Recycling teurer als die Verwendung von neu produzierten Kunststoffen. Gleichzeitig sind die Materialeigenschaften minderwertig, was einige Anforderungen an das Produktdesign notwendig macht. Daraus resultiert, dass Verbraucher und Verbraucherinnen damit einverstanden sein müssen, einen höheren Preis für recycelte Blumentöpfe zu zahlen. Diese recycelten Blumentöpfe können mit ungewohnten Eigenschaften z.B. ungleichmäßiger Farbe einhergehen. Wenn diese Zahlungsbereitschaft und Produktakzeptanz nicht gegeben ist, können wir selbst mit den besten Absichten keine Veränderung erwirken.

Eine weitere wichtige Fragestellung liegt für uns darin, ob wir unseren recycelten Blumentopf zertifizieren lassen sollen. Dies würde für Verbraucher und Verbraucherinnen eine transparente Nachverfolgung zulassen, aber wäre mit weiteren Kosten verbunden. Da wir ein kleines Unternehmen sind, würde so eine Zertifizierung die Kosten und somit den Preis pro recycelten Blumentopf merkbar erhöhen. Bei dieser Fragestellung sind wir noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen.

Eine weitere Schwierigkeit ist das Recycling von Blumentöpfen mit Substratresten. Nach langer Nutzzeit können sich Substratreste am Inneren des Topfes bilden, die einem sortenreinen Recycling im Weg stehen könnten. Hier werden Erfahrungen mit dem Produkt ggf. Anpassungen notwendig machen.

Recycelte Blumentöpfe kaufen

Jetzt stellt sich die Frage: sind wir die Ersten, die recycelten Blumentöpfe anbieten? Die Antwort lautet: nein. Es gibt bereits eine Handvoll Anbieter, die Blumentöpfe aus recyceltem Kunststoff vermarkten. Allerdings bestehen bei diesen Anbietern aus unserer Sicht noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der Nachhaltigkeit des Recyclings. Einerseits ist das Topfdesign nicht auf Nachhaltigkeit optimiert, so dass z.B. zusätzlich Innentöpfe aus virginem Kunststoff notwendig werden (siehe Teil 1) andererseits bestehen die meisten dieser recycelten Blumentöpfe nur zu einem Teil aus Rezyklat. Dadurch wird der Zusatz von neu produziertem Kunststoff oder anderen höherwertigen Materialien notwendig und die Möglichkeiten des Recyclings ggf. eingeschränkt. Weiterhin wurde für Zimmerpflanzen Blumentöpfe noch kein Pfandsystem eingeführt (wir haben dafür eine Gärtnerei gefunden, die diesen Weg bereits für Anzuchttöpfe geht). Zuletzt fehlt es bei den meisten der Anbieter von Recycling Blumentöpfen an Transparenz. Es lässt sich nicht wirklich nachvollziehen unter welchen Bedingungen produziert wurde und die Herkunft des Materials ist auch unbekannt. Kurz gesagt: Es gibt noch einiges zu verbessern und wir haben vor, diese Verbesserungsmöglichkeiten in die Tat umzusetzen!

So kannst du uns bei der Entwicklung des nachhaltigsten Blumentopfes unterstützen

Im Moment sind wir noch im Austausch mit verschiedenen Produzenten und überprüfen, wie sich unser Konzept möglichst gut in die Tat umsetzen lässt. Abhängig davon, welche Kosten und Stückzahlen zur Produktion der recycelten Blumentöpfe notwendig sind, könnte es sein, dass wir Hilfe bei der Umsetzung brauchen. Dann würden wir eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben rufen. Weiterhin müssen wir überprüfen, ob Konsumenten und Konsumentinnen bereit sind, etwas mehr für einen wirklich nachhaltigen Blumentopf zu bezahlen. Dafür planen wir zeitnah eine Liste zu veröffentlichen, in die sich Interessierte eintragen können. Bis wir einen Schritt weiter sind, kannst du dich in unserem Newsletter auf unserer Startseite eintragen. Falls du weitere Ideen, Anmerkungen oder einfach nur Zuspruch mit uns teilen willst, dann fühl dich herzlich dazu eingeladen uns eine Email an info@pflanzpaket.de zu senden. Bis dahin!

Teil 1: Nachhaltige Blumentöpfe kaufen: Worauf sollte man achten?

Teil 2: Blumentöpfe: Materialen und deren Nachhaltigkeit (Ranking)

Nachhaltiges Recycling

Nachhaltige Zimmerpflanzen

Quellen: Dieser Beitrag wurde auf Basis unserer Recherche zu nachhaltigem Recycling verfasst

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