Zimmerpflanzen selbst aus Samen keimen - der vollständige Guide

Die 5 Elemente der Keimung

Verschiedene Formen, Farben und Größen: Samen sind, wie die Pflanzen selbst, an Vielfältigkeit nicht zu übertreffen. Wenn du Samen von Zimmerpflanzen selbst zum Keimen bringen willst, gibt es einige Dinge zu beachten. In diesem Artikel geht es um die Grundlagen der Zimmerpflanzen Keimung und wir erklären alles Wichtige rund um Zimmerpflanzen - Samen. Falls du direkt mit der Anzucht beginnen willst, kannst du dir natürlich auch gerne unser Zimmerpflanzen Anzuchtset anschauen.

Inhalt

  1. Woher kommen Samen und wie entstehen sie?
  2. Die 4 Elemente der optimalen Keimung
  3. Das richtige Substrat für Keimlinge
  4. Bis zur Keimung
  5. Quellen

Woher kommen Samen und wie entstehen sie

Etwa 97% aller Pflanzen bilden einen Samen aus. Das sind die sogenannten Samenpflanzen. Die übrigen 3% der Pflanzen sind Sporenpflanzen, welche zu ihrer Ausbreitung Sporen statt Samen nutzen. Eine Spore ist ein meist einzelliges Entwicklungsstadium, das der geschlechtslosen Vermehrung von Pflanzen dient.  Dazu gehören zum Beispiel Moose und Farne.

Die Blüte einer Pflanze dient der Fortpflanzung. Meist ist diese umgeben von einer auffälligen Blütenhülle, um Insekten anzulocken, die diese befruchten sollen.

Die Samenpflanzen, welche eine Blüte oder einen Blütenstand aus mehreren Blüten ausbilden, lassen sich unterscheiden in Bedecktsamer und Nacktsamer. Die Unterscheidung rührt daher, dass bei Bedecktsamern der Fruchtknoten die sogenannte Samenanlage bedeckt und Nacktsamern die Samenanlage frei (nackt) auf den Fruchtblättern aufliegt. Bedecktsamer bilden ihre Samen in Früchten und Nacktsamer in Zapfen aus.

Die Samenanlage ist das Fortpflanzungsorgan von Samenpflanzen, aus ihr bildet sich später der Samen.

Bedecktsamer

Bedecktsamer bilden den Samen im Fruchtknoten. Dazu benötigt die Pflanze als Zutaten Pollen und Eizelle, die sich beide in den Blüten befinden.

  • Pollen befinden sich im Staubblatt und sind der männliche Blütenteil
  • Eizellen befinden sich in der Samenanlage im Fruchtknoten und sind der weibliche Blütenteil

Ein Samen entsteht nur dann, wenn Pollen und Eizellen in Kontakt kommen. Das kann zum Beispiel durch Bestäubung per Insekten oder über Pollenflug durch den Wind geschehen. Samen werden zu ihrem Schutz durch eine Frucht eingeschlossen. Die meisten Laubbäume und Blumen gehören zur Gruppe der Bedecktsamer.

Nacktsamer

Bei Nacktsamern bildet die Pflanze die weiblichen und männlichen Blütenteile an unterschiedlichen Orten, den sogenannten Zapfen. Die Pollen werden dann ausschließlich durch den Wind vom männlichen zum weiblichen Zapfen gebracht. So können nach der Befruchtung mehrere Samen zur gleichen Zeit gebildet werden, da der Zapfen mehrere Samenanlagen enthält.  Diese verteilen sich, wenn der Zapfen auf den Boden fällt. Nacktsamer sind ausschließlich Holzgewächse wie zum Beispiel die gemeine Kiefer.

Nicht nur Nadelgehölze besitzen Zapfen. Im botanischen Sinn sind zum Beispiel auch die Ähren der Erlen Zapfen, obwohl die Erle zu den Bedecktsamern gehört.

Die 4 Elemente der optimalen Keimung

Da Samen von Pflanzen unterschiedlich aussehen und unterschiedliche Ansprüche für ihre Keimung haben, geht es im Folgenden darum, wie du jeden individuellen Samen optimal für die Keimung vorbereitest: Nach der Ausbreitung der Samen benötigt dieser bestimmte Umweltreize, welche seine Ruhephase (Dormanz) unterbrechen und die Keimung in Gang setzen. Dazu gehören Wärme, Licht bzw. Dunkelheit, Sauerstoff und Wasser.

Wärme

Die Wärme zeigt dem Samen an, dass er sich in einer Umgebung befindet, die für die spätere Entwicklung der Pflanze entsprechende Überlebensbedingungen mit sich bringt.

Manche Samen benötigen eine Stratifikation (Anregung zur Keimung) um ihre Ruhephase zu durchbrechen. Diese ist in der Natur durch kalte Wintermonate und darauffolgende wärmere Frühlingstemperaturen gegeben. Wichtig für die eigene Keimung ist, dass die Samen für einige Zeit nicht wärmer als eine bestimmte Temperatur lagern. Meist liegt diese Temperatur zwischen 1 und 10 Grad Celsius.  Beispielsweise benötigen Pfingstrosen und Veilchen zur Keimung eine Stratifikation durch Kälte.

Um selbst eine Stratifikation anzuregen, kannst du deine Samen mit feuchtem Sand mischen (darin werden keimhemmende Stoffe abgebaut) und für einige Wochen in deinen Kühlschrank legen.

Licht versus Dunkelheit

Beim Thema Licht lassen sich Samen in zwei Gruppen einteilen. Das sind Lichtkeimer und Dunkelkeimer. Samen von lichtkeimenden Pflanzen sind sehr klein und haben aus diesem Grund nicht die nötige Energie, um eine Schicht aus Substrat zu durchstoßen. Sie keimen an der Substratoberfläche. Damit die Samen nicht weggespült werden, kann man Lichtkeimer dennoch vorsichtig mit etwas Substrat bedecken. Allerdings darf die Schicht nicht dicker sein als der Samen selbst und den Samen muss Licht erreichen, um keimfähig zu sein. Zum Beispiel gehören der Elefantenfuß (Beaucarnea recurvata) und die bekannte Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) zu dieser Gruppe.

Dunkelkeimer hingegen müssen mit Substrat bedeckt sein, da Licht bei ihnen eine keimungshemmende Wirkung erzielt. Pflanzensamen können nämlich Lichtimpulse wahrnehmen und messen das Verhältnis von verschieden langwelligem Licht, um den Zeitpunkt für die Keimung perfekt abzupassen. Dunkelkeimer sind in der Regel größer als Lichtkeimer. Dadurch verfügen sie über einen größeren Nährstoffvorrat, um die Erde zu durchstoßen und können sich vorerst auch ohne Photosynthese ernähren. Dunkelkeimer sind beispielsweise der kanarische Drachenbaum (Dracaena Draco) und die rote Frangipani (Plumeria Rubra).

Sauerstoff

Weiterhin ist Sauerstoff ein wesentlicher Faktor, damit die Keimung des Samens beginnen kann. Der Grund dafür ist, dass Sauerstoff für den Stoffwechsel der Pflanze benötigt wird. Genauer gesagt, um bei der Keimung Reservestoffe abzubauen (Dissimilation) und für das Wachstum zu verwenden. Diese Reservestoffe sind Kohlenhydrate, Fette und Proteine und sind im Nährgewebe des Samens gespeichert. Besonders für die Keimung ist also ein luftdurchlässiges Substrat nötig. Zu feste oder überflutete Substrate hindern den Samen bei der Sauerstoffaufnahme und erschweren die Keimung.

Wasser

Schließlich ist Wasser eine unersetzliche Zutat für die Keimung eines jeden Samens. Samen befinden sich im sogenannten Überdauerungszustand und sind daher sehr wasserarm, weshalb diese erst reichlich Wasser aufnehmen müssen, um die Keimung zu beginnen. Im Allgemeinen wird Wasser benötigt, um den Stoffwechsel im Inneren des Samens anzuregen.  Für einige Samen kommt an dieser Stelle das Vorquellen ins Spiel. Hier ist es sinnvoll, Samen vor dem Einpflanzen eine gewisse Zeit in ein Wasserbad zu legen. Das trifft besonders auf hartschalige Samen zu, um die äußerste Hülle leichter aufbrechen zu können. Bei sehr kleinen Samen ist ein Vorquellen nicht notwendig, da das feuchte Substrat ausreicht.

Faustregel: Dunkelkeimer vorquellen lassen, Lichtkeimer direkt einpflanzen.

Wir haben mit unseren Samen die Erfahrung gemacht, dass 24 Stunden Vorquellen bereits ausreichen. Das Einweichen bis zu 48 Stunden wird teilweise auch empfohlen, bietet aber aus unserer Erfahrung keinen nennenswerten Mehrwert. 

Das richtige Substrat für Keimlinge

Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind, kannst du dich daran machen, den Samen ins Erdreich zu befördern; hier allerdings für den ersten Lebensweg und nicht den letzten. ;) 

Wenn es darum geht, wie tief der Samen eingepflanzt werden soll, gibt es eine weitere Faustregel: Tiefe = doppelte Samengröße. (gilt nur für Dunkelkeimer, siehe oben)

Wenn du deinen Samen einpflanzt, solltest du darauf achten, dass du sehr nährstoffarmes Substrat verwendest. Das hat drei Gründe. Zum einen besitzt der Samen einen eigenen Nährstoffvorrat, wie im obigen Teil beschrieben, der den Keimling ernährt. Zum anderen würden die Mineralsalze, welche in gewöhnlichen Blumenerden vorkommen die empfindlichen jungen Wurzeln zerstören und auslaugen. Und schließlich investiert die junge Pflanze in einem nährstoffarmen Substrat mehr Energie in ein stabiles Wurzelwachstum, da sie sich nach der Keimung aktiv auf die Suche nach Nährstoffen begeben muss.

Von der Aussaat bis zur Keimung

Geht es schließlich um die Keimung und um die mit ihr verbundene Zeit, können wir schon mal ungeduldig werden. Wer will schon eine unsägliche Zeit darauf warten, bis man seine Erfolge und den Erfolg eines gesunden Samens sieht? Doch die Geduld lohnt sich!

Die Samen der bekannten Gartenkresse beispielsweise brauchen lediglich wenige Tage zur Keimung, wohingegen die Samen vieler exotischer Pflanzen einige Wochen bis hin zu mehreren Monaten brauchen können, um das Licht der Welt zu erblicken.

Für eine optimale Keimung, die je nach Pflanze sehr unterschiedlich lang ausfallen kann, sind die folgenden Faktoren wichtig:

  1. Nach dem Einpflanzen des Samens, das Substrat anfeuchten und stets gleichmäßig feucht, aber nicht nass halten
  2. Für Raumtemperaturen von mindestens 15 Grad Celsius sorgen.
  3. Luftfeuchtigkeit erhöhen. Dies ist zum Beispiel möglich durch eine Frischhaltefolie, die du über das Pflanzgefäß spannst und dieses auf die Fensterbank, hin zur Sonne stellst.

Ein abschließender Tipp: Du solltest darauf achten, dass du die Folie bestenfalls einmal am Tag, mindestens jedoch alle zwei Tage vom Pflanzgefäß nimmst und das Substrat für etwa eine Stunde auslüften lässt, um Schimmel vorzubeugen.

Quellen

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/samen-244 

https://www.bgbm.org/de/saatgutbank/wissenswertes-ueber-pflanzensamen

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/frucht-281

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/bluete-243

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/keimung-der-samen-283

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/befruchtung-280

https://www.biologie-seite.de/Biologie/Nucellus

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/perisperm/8805

https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/vernalisation-10088

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/biologie/artikel/samen-fruechte

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/biologie/artikel/bedecktsamer-samenpflanzen

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/biologie/artikel/nacktsamer-samenpflanzen#

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/reservestoffe/56340

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